18. Juli 2011 ()

Biographie

Tamir Shefers Bilder blicken uns an. Mindestens paarweise, manchmal hundertfach. Fremdartige Maskenwesen im Vordergrund versetzen uns hypnotisch in ferne Welten, in denen weder die Gesetze der Zeit noch die der räumlichen Ordnung herrschen. Das Ungleichzeitige ist so ko-existent wie re-arrangiert, etwa in seinen Tank-Kasten-Bildern, Holzkörpern, auf denen sich Industrialisierungselemente mit Vorzeitlichem zusammentun, rohrartige Gewächse aus dem Maskenmenschen ragen, der nach vorne und zur Seite gleichzeitig blickt und über Knochen und Schädel rollt.

Das Moment der Kultur, das als Stadt wie die Krone der Schöpfung auf dem Helm thront, verschwindet fast gänzlich gegenüber dem subversiv-allmächtigen Panzer-maskenträger, den Shefer prominent und überproportioniert in die Mitte setzt. Dabei wirkt Shefers Kunst nie erschreckend – eher skurril. Wie abgenagt liegen die Knochen verstreut am Boden, das Panzerhaupt ist harmlos-pink und die Tentakel-Rohre ragen aus dem Haupt so zielunlustig wie suchende Sehrohre.

So charakteristisch für Tamir Shefer die archaisch-mythischen PopMasken sind, die, oft collageartig, auf Kästen, als Stelen oder Holztafeln dominant postiert sind, so typisch sind die dichtgedrängten Großformate, in denen, wie etwa in Tattoo, aus dem Zusammenspiel von Farbe und Gesichtskonturen größere Strukturen – meistens wiederum maskenhaft – wachsen, oder sich, wie etwa in Hero oder Red, zwischen den Strichgesichtern ausgestaltete Comic-Klone tummeln. Dichtbevölkert ist die Welt, wuselig, gedrängt.

Doch gerade in der repetitiven Strukturalität wirkt die schiere Menge meditativ, eher synästhetisch, wie ein irrlichterndes Trommeln – oder wie die Webarbeiten der peruanischen Paracas, deren Augengott uns ebenfalls aus streng rhythmisierten Strukturen entgegenstarrt, die kein Zentrum haben, sondern sich weit im Universum des Bildgrundes ausbreiten.

Tamir Shefers Kunst ist beheimatet zwischen Pop, Comic und Archaik.

Sie ist überzeitlich – zwischen Industrie-Moderne und Frühgeschichte –, transkulturell – mit Elementsprengseln der Maya, der Solomon Inseln und Moche Kulturen –, sie ist witzig, frech, quirlig und tranceartig. Sie verwirrt uns wie sie fasziniert – mit Exotik, Vertrautem und auratischer Dekorativität. Tamir Shefer ist Künstler, Dozent für Design und freischaffender Illustrator. Er ist verheiratet und lebt mit seiner Familie in Jaffa.